Al-Farabi. Dialog zwischen Ost und West

Abu Nasr al-Farabi, der herausragende Denker des Ostens und Wissenschafter, gehört zu den sogenannten Aufklärern, und seine Forschungen haben die Entstehung der mittelalterlichen Philosophie der Länder im Nahen und Mittleren Osten beeinflusst. In der Nachfolge von Aristoteles leistete Al-Farabi einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaften und ihrer weiteren Verbreitung in den östlichen Ländern und wurde deshalb "Der Zweite Lehrer" oder "Aristoteles des Ostens" genannt.

Al-Farabi wurde im Jahre 870 in der Stadt Farab auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan geboren, wo er seine primäre Ausbildung in der Bibliothek von Otrar, der zweitgrößten nach der Bibliothek von Alexandria, erhielt. Er hat ein reiches wissenschaftliches Erbe hinterlassen - etwa 200 Abhandlungen, die die verschiedensten Wissenszweige abdecken.

Diese teilte al-Farabi bei der Abfassung seiner Arbeiten in zwei Kategorien ein. Die ersten sind den Gesetzen des Universums, der menschlichen Existenz und des Wissens darum gewidmet. Mathematik, Astronomie und Geometrie zählte der Gelehrte zu den Wissenschaften, die dazu angetan sind, bei der Interpretation von Fragen in diesen Bereichen zu helfen, und untersuchte auch die Materie und ihre Eigenschaften sowie die Vorstellung von "Zeit und Raum". Zur zweiten Kategorie der Arbeiten gehören Werke, die der lebenden Natur und den Gesetzen ihrer Existenz gewidmet sind, in denen er sich ausführlich mit Chemie, Biologie, Medizin, Optik und Physik befasste.

Als Stammvater der östlichen Philosophie wurde al-Farabi gleichzeitig zum ersten politischen Philosophen des Islam. Seine politisch-philosophische Lehre hat er in seinem grundlegenden Werk "Die vollkommene Stadt" dargelegt sowie in den ethisch-politischen Abhandlungen "Bürgerpolitik", "Aphorismen eines Staatsmanns", "Wegweiser zum Glück" und "Über das Erlangen von Glück". Seine politische Doktrin erfuhr in den Werken so prominenter Lehrer der Philosophie des Islam wie Ibn Sina, Ibn Badji, Ibn Tufayl oder Ibn Rushda eine Weiterentwicklung.

Zu den bekanntesten Originalwerken gehören die Traktate "Perlen der Weisheit", "Über die Ansichten von Bewohnern einer tugendhaften Stadt", "Philosophische Traktate" und "Das große Buch über die Musik", die ihm im mittelalterlichen Europa Ruhm einbrachten.

Im Zentrum von al-Farabis philosophischem System steht das Thema des Menschen - dessen geistig-moralische Vervollkommnung, sein Streben nach Erlangen von Freiheit, nach persönlichem und gesellschaftlichem Glück und seine Suche nach einer besseren Zukunft als Mensch.

Es ist bemerkenswert, dass mehr als 1.100 Jahre vergangen sind, seit al-Farabis Konzept vom Glück entstanden ist, und dennoch bewahren seine Ideen und seine Philosophie in vielerlei Hinsicht ihren Wert und ihre bleibende Bedeutung für die moderne Gesellschaft. Al-Farabis philosophisches und gesellschaftspolitisches Erbe ist seit über tausend Jahren Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit von Forschern und Gelehrten aus aller Welt.

Das Studium von al-Farabis Werken begann bereits damals im Mittelalter. Über seine Tätigkeit zu Lebzeiten, die Art seiner Weltanschauung, sein philosophisches Werk und seine Vertrautheit mit der griechischen Philosophie wird in Arbeiten von Wissenschaftern aus Asien und dem Osten berichtet.

Einen gewissen Beitrag zur Ausbreitung des philosophischen und gesellschaftspolitischen Erbes von al-Farabi haben auch europäische Forscher geleistet. Von deren Arbeiten verdienen besondere Aufmerksamkeit jene von F.Diteritsi, M.Steinschneider, G.Lej und E.J.Rosenthal, dank denen die westliche Welt das philosophische Werk des Denkers und den Einfluss von der politischer Konzeption des Philosophen kennen lernen konnte.

 

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Der Name Abu Nasr al-Farabi, der mit der humanistischen Kultur und Geschichte unseres Landes identifiziert wird, ist eng mit dem Kontext der Wiedergeburt der geistigen Werte der Vergangenheit und der Erziehung von Generationen von Kasachen zu den besten Vorbildern der kulturellen Welt verbunden. Man kann mit vollem Recht behaupten, dass al-Farabi zu einem Symbol der reichen und einzigartigen Kultur Kasachstans geworden ist, und hoffen, dass eine weitere Generation von Wissenschaftern neue Seiten der geistigen Erkenntnisse al-Farabis aufschlagen wird.

Nach al-Farabi ist in Kasachstan die bedeutendste Bildungseinrichtung des Landes, die Nationale Staatliche Universität Kasachstan, benannt, und auf ihrem Territorium gibt es eine Bibliothek, die ebenfalls den Namen des großen Philosophen trägt. Al-Farabi ist auch Namensgeber des „Kulturinstituts Südkasachstan“ in Schymkent; die wichtigsten zentralen Straßen kasachischer Städte sind ebenfalls nach dem großen Gelehrten des Ostens benannt.

Im Jahre 2020 wird in Kasachstan das 1150. Jubiläumsjahr des Philosophen al-Farabi begangen, es sind aber auch Feierlichkeiten auf internationaler Ebene unter der Ägide der U.N.E.S.C.O. geplant.

Kasachstan hat die Errichtung eines Mausoleum-Museums und ethnokulturellen Zentrums an jener Stelle finanziert, an welcher Abu Nasr al-Farabi in Damaskus begraben ist. In Istanbul ist bereits ein ethnographisches Museum des Hauses von al-Farabi im Zusammenhang mit dem Jubiläum des „Aristoteles des Ostens“ eröffnet worden.

Die Erforschung von al-Farabis Glücksphilosophie gewinnt angesichts wachsender demokratischer Transformationen, der Schaffung eines säkularen Rechtsstaates und der Sicherung der Eintracht in unserer Gesellschaft große Aktualität. Besonders aktuell bleibt in unserer Zeit die Konzeption des Denkers vom Glück, seine Ideen von einer tugendhaften Stadt, von Gerechtigkeit, Gleichheit, von der Wahrung des Friedens, der Vermeidung eines Krieges an sich und seiner Verurteilung ungerechter Kriege.

 

Quellen:

- aus dem Aufsatz "Das Erbe von Abu Nasr al-Farabi" des Instituts für Philosophie, Politikwissenschaft und Religionswissenschaft des Wissenschaftsausschusses des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft

- aus wissenschaftlichen Artikeln der Bibliothek der al-Farabi Kazakh National University.

Veröffentlichungsdatum

10 März 2020

Жаңарту күні

10 März 2020

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